Die positive Wirkung des Märchenerzählens auf SeniorInnen mit und ohne Demenz kann zu spürbaren Erleichterungen im Pflegealltag führen und somit auch zur psychischen Entlastung der Pflegekräfte. Depressionen wird vorgebeugt und sogenanntes herausforderndes Verhalten von an Demenz erkrankten Menschen wird reduziert. Diese positive Wirkung wurde von der Firma MÄRCHENLAND wissenschaftlich im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erforscht und belegt. Aus diesem Grund möchte die Seniorenresidenz Kinzigtal das Märchenerzählen fest im Alltag der Bewohner verankern und nimmt an der Maßnahme „Es war einmal…MÄRCHEN UND DEMENZ“ teil, die in verschiedenen stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen in ganz Baden-Württemberg umgesetzt wird. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine von den Kassen anerkannte Präventionsmaßnahme, bei der unter anderem Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen im partizipativen Erzählen geschult werden.
Das Präventionsprogramm selbst wurde am Gesundheitstag in der Seniorenresidenz allen unseren Mitarbeitern vorgestellt. Zur Einführung für unserer Betreuungskräfte gab es dann im Verlauf der Woche drei Märchenstunden im großen Speisesaal, bei denen Florian Ludwig unsere Mitarbeiter und Bewohner in das phantasievolle Land der Märchen entführte. Florian Ludwig hat eine Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut Berlin absolviert und ist seit 2019 als professioneller Demenzerzähler und Dozent für die Weiterbildung als Märchenerzähler:in für die Firma MÄRCHENLAND unterwegs. Durch seine starke Präsenz beim Vortragen der Märchen, bei der er die verschiedenen Stimmen von Hexen, Prinzessinnen, Fröschen und Rumpelstilzchen nachahmt und ihre Emotionen verdeutlicht nimmt er alle Zuhörer gefangen. Mitarbeiter und Senioren waren gleichermaßen fasziniert und begeistert.

Damit dies unseren Betreuungskräften genauso gelingen kann haben sie zwei Tage lang bei Herrn Ludwig das Märchenerzählen geübt. Es wurde mit verschiedenen Übungen, Märchen und Gedichten gesprochen, gelesen und gegenseitig vorgetragen. Dabei ist es wichtig, nicht zu schnell zu sprechen, sondern langsam und deutlich, auch Pausen einzulegen, die Stimme zu variieren und sich vor allem zu trauen Emotionen zu transportieren indem man laut wird, oder auch ganz leise. Es wurde geübt, die Spannung beim Erzählen zu halten und auch mit Mimik und Gestik die Worte zu unterstützen. Dies kostet vor allem am Anfang Überwindung und ist, wie eine Teilnehmerin während einer Übung feststellt, auch ganz schön anstrengend.
Herr Ludwig ermunterte alle 9 Teilnehmerinnen dazu beim Ezählen in der Märchenstunde immer alles zu geben, auch wenn es anstrengt und lieber die Dauer zu verkürzen. So entsteht der größte Nutzen, vor allem für die an Demenz erkrankten Senioren.
Die Märchen aktivieren das Langzeitgedächtnis der SeniorInnen, was das Wohlbefinden steigert. Dadurch kann auch das Pflege- und Betreuungspersonal entlastende Momente erfahren. Dank des regelmäßigen Eintauchens in die Märchenwelt verbessert sich so die Lebensqualität aller.
In der Seniorenresidenz haben wir nun schon eine ganze Märchenwoche in der Planung. Die Materialien von Märchenland umfassen unter anderem auch ein Hörbuch, Spielfilm, Memorykarten und Malvorlagen zu verschiedenen Märchen. Es soll zu einem Märchenthema auch gebastelt und gebacken werden. Wir sind gespannt und werden gerne darüber berichten.